Interview der Müswangener Nachrichten von Jürg Albers und Rolf Rapold im November 2013

 

36 Jahre IGA in Müswangen

Dieser Betrieb arbeitet ohne Gewinn. Das war nicht so geplant, das hat sich so ergeben.

Herr Rolf Rapold, die IGA (Interessengemeinschaft Gemeinschaftsantenne, Müswangen) wurde im letzten Jahr 35 Jahre alt. Was war vorher, wie hat es angefangen?

Früher behalf sich jeder Hauseigentümer mit Estrich- oder Dachantennen mit denen er die wenigen, vor allem deutschsprachigen Sender in unterschiedlicher Qualität empfangen konnte. Mit der Erschliessung von rund 20 Bauparzellen im östlichen Teil der Steiacherstrasse wurden gleichzeitig die entsprechenden Kabel eingelegt. An die damals leistungsmässig noch sehr bescheidene Gemeinschaftsantenne wurden zuerst 2, dann 4 Mitglieder angeschlossen, heute sind es ca. 150 Haushalte verstreut im ganzen Dorf.

Die IGA hat einen eigenen TV-Kanal mit teilweise sehr lustigen (35 Jahre Gemein-schaftsantenne Müswangen und immer noch scharf. Dazu ist eine Rasierklinge abgebildet)) und sachlichen Informationen. Unter anderem ist auch die aktuelle TV-Sendertabelle darauf. Wieviele Sender haben wir aktuell?

Es sind 48 Sender wovon 13 Sender in HD-Qualität. Die Kürzel O, P und V bedeuten öffentliche Sender, private Sender,
v heisst verschlüsselt.

Das mag manches Mitglied (eventuell auch Nichtmitglied) der IGA überraschen, denn er hat nicht so viele Kanäle auf seinem TV.

Wir empfehlen, periodisch einen Suchlauf zu starten, dann sind auch die neuesten Sender verfügbar.

Es wird auf dem IGA-Kanal auch das UKW-Radioprogramm mit 31 Sendern hingewiesen. Wie kann man diese Radioprogramme empfangen?

Indem man das Radio mit einem Antennenkabel am die Radio-Buchse neben der TV-Buchse anschliesst. Kurz- bis mittelfristig werden die UKW-Netzsignale durch terristische digitale Signale ersetzt. Das Senderangebot wurde mit Radio Musikwelle ergänzt.

Die IGA ist eine Nonprofit-Organisation und das Funktionieren der Interessengemeinschaft wird von ihrer Familie ehrenamtlich geführt. Wie lange können sie diese bemerkens- und vor allem verdankenswerte Leistung erbringen?

Während in den Anfängen der IGA die damaligen Mitglieder in Fronarbeit gewisse Arbeiten erbrachten, konnten die Ergänzungsarbeiten oder heutige Neuanschlüsse im Zuge anderer Tiefbauarbeiten erfolgen. Tatsächlich ist es heute immer schwieriger Personalressourcen für Freiwilligen – und IG – Arbeiten zu finden. Das hängt nicht nur mit der Materie zusammen. Wir hätten durchaus noch „Baustellen", zum Beispiel die Aktualisierung der Statuten, Umsetzung von Ideen etc.

Wie sehen sie dann die Zukunft der IGA?

Sollte Swisscom oder ein anderer Anbieter ein besseres, breiteres Angebot z.B. über Glasfasernetz oder „aus der Steckdose" unterbreiten, ist das gleichzeitig das Ende der IGA. Denn wir könnten allein schon aus finanziellen Gründen die dafür notwendigen Vorleistungen nicht erbringen. Wir halten die Stellung so lange wir können. Sie sehen also, dass wir trotz den heutigen sehr attraktiven Mitgliederbeiträgen (Fr. 8.--/Monat und Fr.2.35/Monat Urheberrechtsentschädigung an Swissimage) für die Gemeinschaftsantennenanlage keinen goldenen Horizont sehen.

Ich finde, dass sie einen wichtigen und wertvollen Beitrag in Müswangen zum Anschluss an das Weltgeschehen leisten, der zur Zeit weder durch das Internet noch durch die mehrheitlich hässlichen Satellitenschüsseln an den Häusern ersetzt werden kann. Wie kommen sie an Neu-Mitglieder?

Über die Baugenehmigungsmeldungen, oder schon vorgängig durch den Bauherr/Planer. Sind es Bauten mit mehreren Anschlüssen macht eine Gemeinschaftsantenne Sinn. Werden Einfamilienhäuser realisiert, suchen deren Besitzer eher andere Lösungen.

Sie haben im Jahr 2012 rund Fr. 20'000.-- investiert. Wofür?

Im Dezember 2011 wurde die gesamte TV-Kopfstation auf digitalen Empfang umgerüstet, worauf im Februar 2012 die digitalen Signale in HD-Qualität aufgeschaltet wurden, was eine Neueinpegelung erforderte. Im Juli 2012 wurde der Antennenbau für den terristischen (sich auf die Erde beziehend) digitalen Empfang realisiert. Ferner gab es diverse Störungsbehebungen, z.B. Strom- und Netzverstärker-Ausfälle der Einspeisung ins Primärnetz, wie auch im privaten Sekundärnetz.

Wie ist das Vorgehen bei einer vermuteten Übertragungsstörung?

Zuerst sollte das Mitglied prüfen, ob sich die Störung auf einen Sender beschränkt oder auf viele/alle Sender. Idealerweise fragt er seine Nachbarn, ob auch sie von einer Störung betroffen sind. Dann kann man entweder uns anrufen (041 917 24 41) und/oder mailen Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder direkt der Firma Bacom, Muri, Herr Walter Baumann, Tel. 056 664 17 27 oder mailen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Aus finanziellen Gründen haben wir keinen 24h Störungsdienst. Die Störungsbehebung erfolgt an Werktagen und Normalarbeitszeiten. Voraussetzung ist dann auch der freie Zugang zur IGA-Anlage auf dem Grundstück des Mitgliedes.

Sie sprechen auf dem IGA-Kanal auch das Schwarzfernsehen an. Wie ist das möglich?

Es gibt etwa 10 angeschlossene IGA-Mitglieder die die Leistungen konsumieren, aber trotz schriftlichen Mahnungen und Telefonaten ihre Rechnungen nicht bezahlen, Das ist nicht nur betrüblich, sondern auch unfair gegenüber den andern Mitgliedern. Bei Swisscom oder Cablecom wären solchen Mitgliedern schon lange die Leitung plombiert und sie wären für den geschuldeten Betrag betrieben worden. Wir haben das bisher noch nie gemacht.

Gibt es mit der heutigen Anlage Kapazitätsgrenzen?

Das ist zurzeit nicht zu erwarten bzw. lösbar. Im letzten Jahr hatten wir 5 ordentliche Kündigungen und 5 Neuanmeldungen.

Was für Wünsche haben sie an die Bewohner Müswangens?

Wünschenswert wäre eine personelle Unterstützung zur Sicherung des heutigen Standes und zur Umsetzung von Ideen und vor allem zur Stellvertretung. Ferner bitten wir bei allfälligen Pannen um etwas Geduld, die ist auch bei den grossen Anbietern häufig notwendig, während wir doch deutlich günstiger sind. Wie bereits gesagt, macht es Sinn, in regelmässigen Abständen einen Suchlauf durchzuführen, um so vom aktuellen TV-Angebot zu profitieren. Zudem wären wir froh, wenn wir vor beabsichtigten baulichen Veränderungen informiert werden, damit die Gemeinschaftsanlage im Bauprozess nicht beschädigt wird.

Herr und Frau Rapold; Ich danke im Namen der IGA-Mitgliedern ihnen und ihrem Sohn für die aufopfernde Tätigkeit für ein preisgünstiges, sehr gutes Bild- und Tonangebot und dies seit Jahrzehnten. Es gibt immer mehr Besserwisser, als Besserkönner. Letztere sollen sich bei ihnen melden und aktiv mitarbeiten.

Im Oktober 2013 J. Albers